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Quantum Computing 2026 – Schweizer Forschung an der Weltspitze

ETH Zürich, EPFL und IBM Research positionieren die Schweiz als globales Quantenzentrum

8. Mai 202612 Min. Lesezeit·Code Fabric Redaktion

Während die Welt über Quantencomputer diskutiert, baut die Schweiz sie. Mit dem IBM Quantum System One am ETH Zürich, vier EPFL-Vorträgen an der globalen QIP-2026-Konferenz und dem neuen 10-Jahres-Vertrag zwischen IBM und ETH Zürich vom 31. März 2026 hat sich die Schweiz als einer der wichtigsten Quantenforschungsstandorte der Welt etabliert. Dieser Artikel erklärt, was hinter den Schlagzeilen steckt – und was das für Schweizer Entwickler und Unternehmen bedeutet.

Schlüsselzahl 2026

Harvard-Forscher bestätigten im Mai 2026: Quantencomputing entwickelt sich schneller als erwartet. Der Markt soll laut IDTechEx bis 2046 auf über USD 450 Milliarden anwachsen. Die Schweiz ist mittendrin.

IBM x ETH Zürich: Ein historisches Abkommen

Am 31. März 2026 unterzeichneten IBM und ETH Zürich einen 10-Jahres-Kooperationsvertrag zur Entwicklung der nächsten Generation von Algorithmen an der Schnittstelle von KI und Quantencomputing. IBM unterstützt dabei die Schaffung neuer Professuren und Forschungsprojekte an der ETH Zürich. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf vier mathematische Kernbereiche: Optimierung und kombinatorische Probleme, Differentialgleichungen und dynamische Systeme, lineare Algebra und Hamiltonsche Simulationen sowie Modellierung komplexer Systeme.

Alessandro Curioni, IBM Fellow und VP Algorithms and Applications bei IBM Research, fasste die Vision so zusammen: 'Algorithmen waren schon immer die eigentlichen Treiber von Computing-Revolutionen. Mit der Konvergenz von KI und Quantencomputing erleben wir den Beginn einer neuen algorithmischen Ära – und IBM und ETH Zürich verpflichten sich, deren Grundlagen zu erfinden.'

ETH Zürich: 22 Nobelpreisträger

ETH Zürich zählt 22 Nobelpreisträger und ist die Heimat von Albert Einstein. Programmiersprachen, numerische Methoden und theoretische Frameworks, die an der ETH entwickelt wurden, sind bis heute in der Praxis im Einsatz.

EPFL: Quantentheorie auf Weltklasseniveau

Die EPFL Lausanne präsentierte im Januar 2026 gleich vier Vorträge an der QIP-2026-Konferenz (Quantum Information Processing) in Riga – dem wichtigsten globalen Event der Quanteninformationstheorie. Die Forschungsarbeiten umfassen Quantenlernprobleme, Post-Quanten-Kryptographie, neue Quantenalgorithmen (HDQI) sowie Quantenkomplexitätstheorie. Besonders bemerkenswert: Die Forscher Yihui Quek und Thomas Vidick sind beide Neuzugänge am School of Computer and Communication Sciences (IC) der EPFL – ein Zeichen für das starke Wachstum des Quantenbereichs in Lausanne.

InstitutionSchwerpunktHighlight 2026
ETH ZürichQuantenhardware, Algorithmen, Hybrid-Computing10-Jahres-Vertrag mit IBM (März 2026)
EPFL LausanneQuanteninformationstheorie, Kryptographie4 Vorträge an QIP 2026 (Riga)
IBM Research ZürichQuantenalgorithmen, FehlerkorrekturIBM Quantum System One am ETH-Campus
Zurich InstrumentsQuantenkontrollsysteme (QCCS, ZQCS)Real-Time Fehlerkorrektur mit IQM & NVIDIA (März 2026)
Universität BaselQuantenphysik, SpintronikGrundlagenforschung Quantenmaterialien
NCCR MARVELComputational Materials ScienceQuantenmaterialien-Design mit KI

Zurich Instruments: Schweizer Hardware für die Welt

Während ETH und EPFL die Theorie vorantreiben, liefert Zurich Instruments die Hardware. Das 2008 gegründete Zürcher Unternehmen führte 2018 das erste kommerzielle Quantum Computing Control System (QCCS) ein – für die Steuerung von über 100 supraleitenden und Spin-Qubits. Im März 2026 lancierte Zurich Instruments gemeinsam mit IQM Quantum Computers und NVIDIA einen Real-Time-Quantenfehlerkorrektur-Demonstrator mit NVIDIA NVQLink. Dieser Demonstrator zeigt einen klaren Weg zu skalierbaren, fehlertoleranten Quantencomputern.

Swiss Quantum Days 2026

Die Swiss Quantum Days fanden im Januar 2026 in Zürich statt und brachten Forscher aus ETH, EPFL, Universität Basel und internationalen Partnern zusammen. Das ETH Quantum Center Retreat folgt vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 in Valbella (Graubünden).

Globale Trends 2026: Wo steht die Welt?

Das Jahr 2026 markiert laut Forrester Research den Übergang von der Forschungsphase zur 'Utility Phase' – Quantencomputer beginnen, reale Probleme zu lösen. Der World Quantum Day am 14. April 2026 zeigte: Hybrid Quantum-Classical Computing ist der neue Standard. Algorithmen laufen auf klassischen Supercomputern und lagern nur die rechenintensivsten Teile an Quantenprozessoren aus. Gleichzeitig warnt das US-Justizministerium: 'Q-Day' – der Tag, an dem Quantencomputer aktuelle Verschlüsselung brechen können – rückt näher.

TechnologieStatus 2026Schweizer Relevanz
Supraleitende QubitsIBM: 1000+ Qubits, Fehlerkorrektur aktivIBM Research Zürich, ETH Zürich
Photonenbasierte QCQuandela, PsiQuantum skalierenEPFL Quantenoptik-Forschung
IonenfallenIonQ, Quantinuum: hohe PräzisionUniversität Basel Grundlagenforschung
Topologische QubitsMicrosoft: Majorana-Chip (2025)ETH Zürich Materialforschung
Hybrid Classical-QuantumIndustriestandard 2026IBM x ETH Zürich Algorithmen
Post-Quanten-KryptographieNIST-Standards finalisiertEPFL, NCSC Schweiz

Post-Quanten-Kryptographie: Handlungsbedarf für Schweizer Unternehmen

Der praktischste Aspekt der Quantenrevolution für Schweizer Unternehmen ist nicht die Hardware, sondern die Kryptographie. Das US-amerikanische NIST hat 2024 die ersten Post-Quanten-Kryptographie-Standards finalisiert (CRYSTALS-Kyber, CRYSTALS-Dilithium). Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) der Schweiz empfiehlt Unternehmen, ihre kryptographischen Systeme jetzt auf Quantenresistenz zu prüfen – besonders in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und kritische Infrastruktur.

Achtung: 'Harvest Now, Decrypt Later'

Staatliche Akteure sammeln heute bereits verschlüsselte Daten, um sie später mit Quantencomputern zu entschlüsseln. Unternehmen mit langfristig sensiblen Daten (Gesundheit, Finanzen, Staatsgeheimnisse) sollten jetzt handeln – nicht warten, bis Quantencomputer verfügbar sind.

Anwendungsfelder: Wo Quantencomputing 2026 echten Nutzen bringt

BrancheAnwendungSchweizer Akteure
Pharma & Life SciencesMolekülsimulation, Drug DiscoveryRoche, Novartis, Lonza
FinanzdienstleistungenPortfolio-Optimierung, RisikomodellierungUBS, Swiss Re, Zürich Versicherung
Logistik & TransportRoutenoptimierung, Supply ChainSBB, Post, Kuehne+Nagel
EnergieNetzoptimierung, MaterialforschungAxpo, BKW, Alpiq
KryptographiePost-Quanten-SicherheitNCSC, Schweizer Banken, RUAG

Wie Entwickler jetzt einsteigen können

Quantenprogrammierung ist heute zugänglicher denn je. IBM Quantum bietet über die IBM Quantum Platform kostenlosen Zugang zu echten Quantenprozessoren – inklusive des Systems am ETH Zürich. Qiskit (Python-Framework) ist der De-facto-Standard für Quantenprogrammierung. Für Einsteiger empfiehlt sich das kostenlose Kurs-Angebot von IBM Quantum Learning sowie die Vorlesungsunterlagen des ETH Quantum Centers.

RessourceBeschreibungURL
IBM Quantum PlatformKostenloser Zugang zu echten Quantenprozessorenquantum.ibm.com
QiskitOpen-Source Python-Framework für Quantenprogrammierungqiskit.org
ETH Quantum CenterForschung, Events, Kolloquien in Zürichqc.ethz.ch
EPFL Quantum CenterQuanteninformationstheorie, Kryptographieactu.epfl.ch
Swiss Quantum DaysJährliche nationale Quantenkonferenzswissquantumdays.ch
Zurich InstrumentsQuantenkontrollsysteme, Tutorialszhinst.com

Fazit: Die Schweiz ist bereit

Quantencomputing ist kein Science-Fiction mehr. Mit dem IBM-ETH-Zürich-Abkommen, der EPFL-Forschung auf Weltklasseniveau, Zurich Instruments als globalem Hardware-Lieferant und dem NCSC als Treiber für Post-Quanten-Sicherheit ist die Schweiz strategisch hervorragend positioniert. Für Schweizer Entwickler und Unternehmen gilt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Quantencomputing zu verstehen – nicht als ferne Zukunftstechnologie, sondern als praktisches Werkzeug, das in den nächsten fünf Jahren in kritischen Branchen Einzug halten wird.


Quellen: IBM Newsroom (März 2026), EPFL News (Januar 2026), ETH Quantum Center (2026), Zurich Instruments News (März 2026), Forrester 'State of Quantum Computing 2026', IDTechEx 'Quantum Computing Market 2026-2046', Harvard Quantum Initiative (Mai 2026), NIST Post-Quantum Cryptography Standards (2024), NCSC Schweiz

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